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Diskriminierung von transgeschlechtlichen und nicht der binären Geschlechterordnung folgenden Jugendlichen (Scoping Review)
Worum geht es (Abstract):
Menschen in Transition oder solche, die sich nicht eindeutig weiblich oder männlich einordnen, werden häufiger zu Opfern von Missbrauch und Diskriminierung. Eindeutige Folgen vor allem für Jugendliche sind häufig auch selbstverletzendes Verhalten und Freitod. Gefühle wie extremer Stress, extreme Verzweiflung und Depression sowie posttraumatische Belastungsstörungen sind eine klare Folge. Selbstliebe und Selbstanerkennung, positive Gefühle sich selbst betreffend sind deutlich seltener anzutreffen.
Lösungsansätze:
- Weiterbildung für medizinisches Fachpersonal und andere Stakeholder:innen (z.B. PeerBeratende)
- mehr Selbsthilfegruppen/Beratungsangebot “in der Fläche”
- Zugang Betroffener zu Informationen, um behandelnden Ärzte und Ärztinnen kurz/fundiert zu informieren
- Forschung gesellschaftlich und wissenschaftlich ausweiten
- Diskriminierung junger trans Personen zum medialen Thema machen.
Quelle:
Tankersley, A. P., Grafsky, E. L., Dike, J., & Jones, R. T. (2021). Risk and Resilience Factors for Mental Health among Transgender and Gender Nonconforming (TGNC) Youth: A Systematic Review [Review]. Clinical Child and Family Psychology Review, 24(2), 183-206. https://doi.org/10.1007/s10567-021-00344-6
Das Paper ist ein Scoping-Review und bezieht 44 Studien weltweit ein.
Die Studie konkret:
Viktimisierung, Diskriminierung und Missbrauch gehören laut dieser Übersichtsarbeit zu den häufigsten Risikofaktoren für eine schlechte psychische Gesundheit bei transgeschlechtlichen und nicht der binären Geschlechterordnung folgenden Jugendlichen (TGNC-Jugendliche). Die Ergebnisse der Untersuchungen von 44 Studien von Forschenden aus der ganzen Welt (Deutschland, Finnland, Australien, Großbritannien, Canada, USA und China) durch Tankersley und Mitforschenden könnten deutlicher nicht sein:
Die Viktimisierung, Diskriminierung und der Missbrauch von TGNC-Jugendlichen sind eindeutig assoziiert mit selbst verletzendem und suizidalem Verhalten. Opfer von Diskriminierung leiden darüber hinaus häufig unter extremem Stress, extremer Verzweiflung und psychologischen Störungen wie Depression und posttraumatischer Belastungsstörung.
Die Viktimisierung, Diskriminierung und der Missbrauch von Jugendlichen ist in der Regel verhältnismässig leicht zu beobachten. Allerdings können auch andere Stressoren, die oft unbeobachtet bleiben, verheerende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben.
Jugendliche, die sozial isoliert sind, weil sie transgeschlechtlich sind bzw. nicht der binären Geschlechterordnung folgen, leiden – laut Tankersley et al. – vermehrt unter sozialen Ängsten sowie Depressionen und zeigen häufig selbstverletzendes und suizidales Verhalten.
Des Weiteren ist allein die Wahrnemung, dass der eigene Körper anderen missfällt, damit assoziert, ob mensch bereits einen Suizidversuch unternommen hat.
Wenig überraschend ist ebenfalls der Befund, dass das Gefühl in öffentlichen Toiletten nicht sicher zu sein mit schwerwiegenden Ängsten in Verbindung steht.
Besonders schwer zu erkennen, jedoch mindestens ebenso problematisch sind internalisierte Stressoren. Diese sind oft die Konsequenz der Erfahrung von externen Stressoren (z.B. Diskriminierung und Missbrauch) und/oder interaktiver Stressoren (z.B. soziale Isolation).
So steht bei TGNC-Jugendlichen beispielsweise die Wertschätzung des eigenen Körpers im Allgemeinen und die Zufriedenheit mit dem eigenen Gewicht im speziellen in Zusammenhang mit Suizidgedanken und suizidalem Verhalten.
Ausserdem ist internalisierte Transphobie assoziiert mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit die diagnostischen Kriterien für eine schwere Depression und für eine generalisierte Angststörung zu erfüllen.