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EINFÜHRUNG 2.TEIL
Helfende Chatbots?
Bedingungslose Hingabe
Der französisch-litauische Philosoph Emmanuel Lévinas hat sich Zeit seines Lebens mit geschlechtlichen Beziehungen beschäftigt. Er hat diese Art von Beziehungen in ihrer ganzen Tiefe ausgelotet und herausgefunden, dass das tiefe Fundament geschlechtlicher Beziehungen die reine Menschlichkeit ist. Die Mutter und ihr Baby, die Liebenden, Vater und Sohn, Geschwister untereinander, all diese Beziehungen lernt man durch Lévinas neu kennen und in ihrer menschlichen Tiefe verstehen. In diesen Beziehungen manifestiert sich Liebe und Menschlichkeit.
Jenseits der Vernunft: Menschlichkeit
Versuchen wir Lévinas' Gedanken tiefer Menschlichkeit am Beispiel der Mutterschaft zu verstehen, das er erstmals in seinem berühmten Werk von 1974 „Jenseits des Seins oder anders als Sein geschieht“ vorgestellt hat: Die Mutter öffnet sich bedingungslos ihrem Baby, sorgt für es ohne Unterlass, es steht absolut im Mittelpunkt. Mutterschaft heisst zunächst und ausschliesslich an das Kind zu denken, unbequem zu leben, weil die Mutter ausschliesslich für das lhr Baby „da“ ist und sich bedingungslos kümmert. Eine Mutter „spürt“, was das Baby ihr abverlangt, wobei das Baby unbegreiflich und unberechenbar bleibt. Die Mutter steht in absoluter Verantwortung und unterliegt in ihrem Dasein für ihr Baby ständigen Zerreissproben. Das Baby wird zum absoluten Bezugspunkt in ihrem Leben. Es begründet ihre Existenz.
Bedingungslose Menschlichkeit ist radikal
Lévinas hat das zutiefst Menschliche, den Wesenskern von Mutterschaft förmlich herausdestilliert, als radikale, bedingungslose, gebietende Menschlichkeit, die Verantwortungsübername für den Anderen erzwingt. Dies geht in der Absolutheit Lichtjahre über das hinaus, was wir als „selbstloses“ Sich-Kümmern und Sich-Sorgen um jemanden verstehen. Die Verantwortungsübernahme kann soweit gehen, dass ich bereit für den Anderen mein Leben hinzugeben.