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| therapeutinnenblog:blog:unvorstellbar [2024/03/14 23:17] – c.haupt | therapeutinnenblog:blog:unvorstellbar [2024/03/14 23:21] (aktuell) – [Es ist vorstellbar, dies zu verändern] c.haupt |
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| Endokrinolog:innen verschreiben munter Androcur, ohne dass ihnen oft bewusst ist, welches Gemetzel diese Substanz mit dem Sexualleben von trans Personen verursacht. Desgleichen marktübliche Antidepressiva -- das psychiatrische Standardheilmittel gegen Diskriminierungsdepressionen lässt jegliche Erotik versiegen, was die Depression wiederum füttert ...\\ | Endokrinolog:innen verschreiben munter Androcur, ohne dass ihnen oft bewusst ist, welches Gemetzel diese Substanz mit dem Sexualleben von trans Personen verursacht. Desgleichen marktübliche Antidepressiva -- das psychiatrische Standardheilmittel gegen Diskriminierungsdepressionen lässt jegliche Erotik versiegen, was die Depression wiederum füttert ...\\ |
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| trans und genderdiverse Personen fliegen als hochkant aus dem Dating-Pool raus. Keine Chance. Dieses Schicksal teilen sie sich in den weissen cis-Ländern Deutschland, Schweiz und Österreich mit alten, colored, behinderten, psychoseerfahrenen und übergewichtigen Menschen: Was erlebt dann erst eine alte, colored, behinderte, psychoseerfahrene und übergewichtige trans Person?\\ | trans und genderdiverse Personen fliegen hochkant aus dem Dating-Pool raus. Keine Chance. Dieses Schicksal teilen sie sich in den weissen cis-Ländern Deutschland, Schweiz und Österreich mit alten, colored, behinderten, psychoseerfahrenen und übergewichtigen Menschen: Was erlebt dann erst eine alte, colored, behinderte, psychoseerfahrene und übergewichtige trans Person?\\ |
| Genau, erraten!\\ | Genau, erraten!\\ |
| Wobei transmaskuline Personen noch etwas mehr Gnade finden als trans Frauen, so jedenfalls neuere Studien.((Blair, K. L., & Hoskin, R. A. (2019). Transgender exclusion from the world of dating: Patterns of acceptance and rejection of hypothetical trans dating partners as a function of sexual and gender identity. Journal of Social and Personal Relationships, 36(7), 2074-2095.))\\ | Wobei transmaskuline Personen noch etwas mehr Gnade finden als trans Frauen, so jedenfalls neuere Studien.((Blair, K. L., & Hoskin, R. A. (2019). Transgender exclusion from the world of dating: Patterns of acceptance and rejection of hypothetical trans dating partners as a function of sexual and gender identity. Journal of Social and Personal Relationships, 36(7), 2074-2095.))\\ |
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| In Nordamerika haben queere Communities aufgehört, derartige Missstände zu bejammern. Lucie Fielding ((Fielding, L. (2021). Trans sex: Clinical approaches to trans sexualities and erotic embodiments. Routledge.)), (Therapeutin mit trans Hintergrund) und andere haben die sextötlichen Diskurse zum Thema gemacht. Fielding schreibt: | In Nordamerika haben queere Communities aufgehört, derartige Missstände zu bejammern. Lucie Fielding ((Fielding, L. (2021). Trans sex: Clinical approaches to trans sexualities and erotic embodiments. Routledge.)) (Therapeutin mit trans Hintergrund) und andere haben die sextötlichen Diskurse zum Thema gemacht. Fielding schreibt: |
| >>>Zusammen betrachtet weisen Begehrlichkeit und Begehrensfähigkeit auf eine besondere Art von Privileg hin, das ich als erotisches Privileg bezeichne. Erotisches Privileg ist eine Art von Privileg, das bestimmten Arten von Körpern innerhalb einer bestimmten Kultur gewährt wird. In der westeuropäischen und amerikanischen Kultur sind diese Körper typischerweise weiß, heterosexuell, körperlich kräftig, schlank, gross und zwischen 18 und 35 Jahre alt. Körper, die nicht einem oder mehreren dieser kulturellen Ideale entsprechen - oder diese buchstäblich verkörpern - werden erotisch ausgegrenzt und als "unvorstellbar" angesehen. Diese Körper werden gleichzeitig ausgelöscht und einer intensiven objektivierenden oder fetischisierenden Betrachtung unterzogen, und es wird ihnen weder [die Eigenschaft] begehrlich noch begehrensfähig zugesprochen.((Fielding 2021, 17.))\\ | >>>Zusammen betrachtet weisen Begehrlichkeit und Begehrensfähigkeit auf eine besondere Art von Privileg hin, das ich als erotisches Privileg bezeichne. Erotisches Privileg ist eine Art von Privileg, das bestimmten Arten von Körpern innerhalb einer bestimmten Kultur gewährt wird. In der westeuropäischen und amerikanischen Kultur sind diese Körper typischerweise weiß, heterosexuell, körperlich kräftig, schlank, gross und zwischen 18 und 35 Jahre alt. Körper, die nicht einem oder mehreren dieser kulturellen Ideale entsprechen - oder diese buchstäblich verkörpern - werden erotisch ausgegrenzt und als "unvorstellbar" angesehen. Diese Körper werden gleichzeitig ausgelöscht und einer intensiven objektivierenden oder fetischisierenden Betrachtung unterzogen, und es wird ihnen weder [die Eigenschaft] begehrlich noch begehrensfähig zugesprochen.((Fielding 2021, 17.))\\ |
| Dieses grundlegenden gesellschaftlichen Muster verstellen auch den Blick von Therapeut:innen auf ihre trans Klient:innen. Und es scheint selten, dass sich Therapeut:innen dessen bewusst werden. Sexualität wird bedingt durch die Macht der Diskurse zum Unsagbaren. Zum Tabu.\\ | Diese grundlegenden gesellschaftlichen Muster verstellen auch den Blick von Therapeut:innen auf ihre trans Klient:innen. Und es scheint selten, dass sich Therapeut:innen dessen bewusst werden. Sexualität wird bedingt durch die Macht der Diskurse zum Unsagbaren. Zum Tabu.\\ |
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| ==== Unvorstellbar, dass ICH begehrenswert bin==== | ==== Unvorstellbar, dass ICH begehrenswert bin==== |
| ==== Es ist vorstellbar, dies zu verändern ==== | ==== Es ist vorstellbar, dies zu verändern ==== |
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| Es ist ein System, dem wir in unserem Elend ausgesetzt sind. Auch in Nordamerika hat es zwei Jahrzehnte gebraucht, bis sich der Diskurs teilweise geändert hat. Der Vorteil: Da es sich um ein grundlegendes Problem handelt, sind auch grundlegende Umwälzungen notwendig, nicht zuletzt in der Kultur von Therapeut:innen. In den USA hat es drastischer Mittel bedurft, wie z.B. des Movements, dass Mira Bellwether mit ihrem [[https://archive.org/details/fucking-trans-women-mira-bellwether-october-2010.cleaned|Fucking Trans Woman-zine]] ausgelöst hat. \\ | Es ist ein System, dem wir in unserem Elend ausgesetzt sind. Auch in Nordamerika hat es zwei Jahrzehnte gebraucht, bis sich der Diskurs teilweise geändert hat. Der Vorteil: Da es sich um ein grundlegendes Problem handelt, sind auch grundlegende Umwälzungen notwendig, nicht zuletzt in der Kultur von Therapeut:innen. In den USA hat es drastischer Mittel bedurft, wie z.B. des Movements, das Mira Bellwether mit ihrem [[https://archive.org/details/fucking-trans-women-mira-bellwether-october-2010.cleaned|Fucking Trans Woman-zine]] ausgelöst hat. \\ |
| Wir werden diesen Weg abgekürzt gehen können. Bedanken wir uns bei den nordamerikanischen QueerCommunities für ihr unermüdliches Engagement.\\ | Wir werden diesen Weg abgekürzt gehen können. Bedanken wir uns bei den nordamerikanischen QueerCommunities für ihr unermüdliches Engagement.\\ |
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